Bild: Rudmer Zwerver

Bürgermeisterkandidat antworten zu Fragen von Bürgern:

Mobilfunk/WLAN:

O. Seidel:
Wie stehen Sie zur Mobilfunktechnik (LTE vs. 5G) und den Ausbau insbesondere in den verschiedenen Ortsteilen von Grünheide bzw. deren Auswirkungen?
Wie stehen Sie zu den inzwischen zahlreichen öffentlichen oder halb öffentlichen WLAN Netzen?

Wötzel:
Eine leistungsfähige Internet Anbindung ist wichtige Voraussetzung für die Attraktivität von Wohnort und Arbeitsort. Bei WLAN und Mobilfunktechnik gilt für mich der Grundsatz Qualität vor Quantität. Dynamisch Reduzierung der Sendeleistung, Nutzung verschiedener Frequenzbänder, Reduzierung von Strahlenbelastung und Aufbau von MESH Netzwerke sind hier die Stickpunkte. Offene und freie Netzwerke werden oft von Kinder und Jugendlichen genutzt, daher ist Jugendschutz, Inhaltsfilter und ausreichende Aufklärung über unverschlüsselte Datenkommunikation zu beachten. Der aktuelle Hype über 5G Technologie ist auch ein Stück Industrie-Werbung. Wenn die gemeinsame Nutzung der Antennen durch alle Provider geregelt wird und dies auch mit dem Rückbau von bestehenden Netzen ohne Qualitätsverlust für den Nutzer erreichbar ist, dann können wir von echtem Fortschritt sprechen.

Bildung:

O. Seidel:
Wie sehen Sie die aktuelle Situation des Bildungsangebotes in Grünheide?
Wie stehen Sie zu dem Angebot und der Qualität der weiterführenden Schulen in den Ortsteilen?   
Wie sehen Sie die Digitalisierung an der Schule und die Verknüpfung mit obigen Mobilfunkthemen?

Wötzel:
Die Grundschule zusammen mit den zahlreichen außerschulischen Angeboten des Hortes ist mustergültig. Wachsende Schülerzahlen werden bald zu einer Umnutzung der Fachräume in Klassenräume führen. Hinzu kommen baubedingte Belastungen durch den geplanten Anbau. Hier gilt es kurzfristige Alternativen zu finden, um die erreichte Qualität nicht zu gefährden. Mittelfristig müssen wir auch die Frage eines weiteren Standorts für die wachsende Schülerzahl aus den Ortsteilen Kagel, Finkenstein, Möllensee und Kienbaum diskutieren. Dies darf aber nicht als Einzelprojekt betrachtet werden sondern verlangt eine umfangreichen Ortsentwicklungsplan unter Beteiligung aller Bürger.

Mit dem Angebot der privaten Schulbetreiber für Oberschule und Gymnasium haben wir die Attraktivität des Ortes für Familien mit schulpflichtigen Kindern deutlich gesteigert. Allerdings sind die Schulkosten oft ein Problem, vor allen für Familien mit Geschwisterkindern.  

Die Entwicklung des Gewerbegebiets Freienbrink Nord, kann hier Chancen für Berufsschule und weiterführende Schulangebote bringen. Hier gilt es rechtzeitig den Planungs- und Vergabeprozess des Landes mit Ideen der Ortsentwicklung abzugleichen.

Naturschutz:

O. Seidel:
Wie so viele bin ich skeptisch bzgl. eines Klimawandels verursacht (nur) durch CO2.
Aber das Klima ändert sich und das könnte am Umgang mit der Natur liegen.
Wie stehen Sie zu Natur- und Tierschutz?

Wötzel:
An erster Stelle sollten Energieeinsparungen und Energieeffizienz stehen. Der Hype bei alternativen Energien zur Stromgewinnung, vor allen der Bau von Windkraftanlagen in Wäldern sollte auf Realitätsbezug geprüft werden. Wenn die Leistung dieser Anlagen im Lastbetrieb nicht im Stromnetz aufgenommen werden kann und sowohl Speicher als auch Netzweiterleitungen fehlen, bedarf es einfach keinen weiteren Ausbau.

Ein weiteres Problem wird die Elektromobilität basierend auf Akku Technik werden. Die Müllhaufen der E-Scooter, E-Bike und E-Autos werden uns in wenige Jahren noch teuer zu stehen kommen. Hier müssen alle Faktoren von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung der Elektroenergie, bis zum Recycling berücksichtigt werden. Lagerkämpfe auf Basis von Ideologien helfen da wenig, genauso schwierig ist es wissenschaftliche Fakten ohne Beeinflussung von Industrieinteressen heraus zu arbeiten. Ein Umdenken ist nötig, hier wäre es besser mit perfekten öffentlichen Nahverkehr Anreize zu bieten, statt Individualverkehr noch stärker zu besteuern. Natur- und Umweltschutz ist vor allen die Bewahrung der Artenvielfalt und des Naturraums. Der Umbau von Wäldern auf die geänderten Klimabedingungen, die Nutzung von moderner Wasserwirtschaft in der Landwirtschaft, das Bewusstsein mit regionalen nachhaltiger Lebensmittelproduktion einen Mehrwert zu schaffen der auch bezahlt werden muss – das sind Themen welche mich antreiben.

Armutsrisiko für Alleinerziehende

Der Alltag als Alleinerziehende/r ist sehr herausfordernd, aufwendig und kostenintensiv und birgt ein besonderes Armutsrisiko, besonders zu Lasten der Kinder. Mich würde interessieren, ob Sie sich jemals Gedanken zu dieser Gruppe gemacht haben? Welche Optionen würden sich in Ihrem Grünheide der Zukunft für Alleinerziehende eröffnen?

Gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit muss für alle Bürger gleichermaßen gelten. Hier sind Arbeitgeber gefragt, welche Arbeitszeitmodelle anbieten, die mit dem Alltag von Alleinerziehenden vereinbar sind. Flexible Kinderbetreuungsangebote von Kita und Hort sowie aktive Nachbarschaftshilfe können die Basis sein aus eigener Kraft wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

100 Arten von sozialen Transferleistungen, von 40 Stellen verwaltet sind ein bürokratisches Monster. Die Verfahren sind oft demotivierend und teils diskriminierend. Eine Alternative wie das liberalen Bürgergeldes ist der Vorschlag meiner Partei.

Es gibt gute Gründe warum in der Erziehungszeit nur Arbeit mit geringem Zeitumfang angenommen werden können. In Grünheide steht hier vor alle die Frage der Erreichbarkeit der Arbeitsstelle. Doch alles Bemühen bringt nichts, wenn die viel zu geringen Zuverdienstgrenzen jede Eigeninitiative zunichtemacht.   Ich sehe es als Aufgabe an in Grünheide für mehr Chancengleichheit durch flexible Betreuungsangebote, gut erreichbare Arbeitsplätze und praktikable Hilfsangebote für jede Lebenssituation zu sorgen.